Positionsgrößenbestimmung

Nachdem Sie in den vorherigen Kapiteln Zeit damit verbracht haben zu bestimmen welcher Tradingtyp Sie sind und welche Anforderungen Sie an ein Handelssystem stellen - unzählige Tests von Handelssystemen ausgeführt und ausgewertet haben und idealerweise auch ein gutes und für Sie funktionierendes Handelssystem gefunden haben - stellt sich Ihnen nun die Frage wieviel Kapital Sie diesem System anvertrauen werden. Diese Frage kann mit der Positionsgrößenberechnung hinreichend gut beantwortet werden.

Ziel der Positionsgrößenbestimmung = Schutz vor dem Totalverlust

Die Börse ist bekanntlich geprägt von vielen Unvorhersehbaren Situationen. Auch wenn Ihr Handelssystem einen positiven Erwartungswert besitzt und langfristig Gewinne erzielt, können Zeiten und Phasen auftreten in denen das Handelssystem versagt  (mehrmals hintereinander) und Sie Verluste erleiden. Verluste häufen sich an (man spricht in diesem Zusammenhang vom Drawdown). Diese Zeiten gilt es zu überstehen und "im Spiel zu bleiben" und mögliche Verluste so gut es geht zu minimieren. Denn wenn Ihr Teil-Einsatz zu hoch ist und Sie in eine dieser Durststrecken kommen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch einen Totalverlust zu erleiden. Davor kann man sich schützen, indem man immer nur ein begrenztes und möglichst kleines Risiko eingeht. Was heißt nun in diesem Zusammenhang klein und begrenzt?

Die Positionsgröße - Überwinden psychischer Barrieren:

Trader neigen intuitiv dazu den Wetteinsatz zu hoch zu wählen (Gier). Hierzu gibt es auch ein sehr schönes Experiment von Ralph Vince - aus dem hervorgeht, das 38 von 40 Personen in einem Versuch mit einem positiven Erwartungswert! von 0.6 nach 100 "Trades" am Ende weniger Kapital übrig hatten wie zu Beginn des Experiments. Allein nur aus der Tatsache begründet, dass die Positionsgröße zu groß gewählt wurde. In Zeiten in denen die Börse für Sie läuft macht sich dieses Problem nicht bemerkbar - ganz im Gegenteil Ihre Gewinne häufen sich an. Problematisch wird es erst, sobald Seitwärtsphasen oder Downtrends auftreten in denen die erzielten Gewinne wieder abgegeben werden - sogar soweit bis man aus dem Markt gespült wird und einen Totalverlust erleidet. Wenn zu viele verlustbehaftete Trades nacheinander auftreten - kann das einen nicht zu vernachlässigenden statistischen Nachteil für Sie haben. Wie groß dieser statistische Nachteil werden kann sehen Sie anhand folgender Tabelle:

Positionsgrößen-Tabelle

Der statistische Nachteil tritt bei einem Risiko > 3% schon recht früh ein. Der Tabelle kann beispielsweise entnommen werden, dass bei 8 aufeinanderfolgenden Trades bei denen man jeweils 3% des Startkapitals verliert (also insgesamt 24% des Anfangskapitals) bereits 31.6% Gewinnsteigerungen erzielt werden müssen, damit das ursprüngliche Kapital wieder erreicht wird (entspricht einem statistischem Nachteil von 7.6%). Nach spätestens 256 Trades tritt diese Situation bereits ein. Wären Sie nun ein Daytrader und würden nur einmal am Tag handeln würde diese Situation einmal im Jahr vorkommen. Sie müssten mit Ihrem Handelssystem mindestens durchschnittlich 7.6% Rendite (nach Steuern) mehr erzielen, um diesen Nachteil zu kompensieren.

Gegen diesen Nachteil müssen Sie nach einer Verlustphase ankämpfen und nun kommt oftmals der 2te Fehler vieler Trader! Sie erhöhen Ihren Einsatz! - um die vorher eingefahrenen Verluste zu kompensieren! (mit weniger Gesamtkapital wird also ein noch höheres Risiko eingegangen). Dieses Verhalten ist genau das - was man nicht tun sollte. Hier ist der Totalverlust quasi vorprogrammiert. Falls Sie in dieser Situation selbst einmal waren - trösten Sie sich, Sie sind nicht der Einzige. Sie werden überrascht sein, wie vielen Tradern genau dieses Verhalten zum Verhängnis wird.

Die Positionsgröße sollte also von der Wahrscheinlichkeit abhängig gemacht werden nach der ein bestimmtes Ereignis vorkommen kann. Diese sollte nur so groß sein, dass Sie eben gerade nicht dem statistischen Nachteil nachlaufen müssen.

Ereignis-Wahrscheinlichkeitsberechnung:

Mit folgender Formel lässt sich bestimmen nach wie vielen Versuchen ein bestimmtes Ereignis eintritt:

Formel: E=(1/p)^n

E = Erwartete Anzahl von Trades bis ein Ereignis eintritt.
p = Wahrscheinlichkeit für den durchschnittlichen gewinnbehafteten Einzeltrades.
n = Anzahl der Trades

Beispiel: Gehen wir davon aus, daß unser Handelssystem eine Wahrscheinlichkeit von 50% Gewinner-Trades besitzt (p=0.5). Jeder zweite Trade wirft also einen Gewinn ab. Wie oft kann man nun statistisch traden bis ein Ereignis von 10 Verlustrades (n=10) auftritt? In obige Formel eingesetzt erhält man:

E = (1/0.5)^10 = 1024

Daraus folgt, daß spätestens nach 1024 Trades 10 Verlusttrades hintereinander auftreten würden. Verlieren Sie nun jeweils 10% Ihres Gesamtkapitals bei jedem Trade - tritt der Totalverlust ein.    

Ein Beispiel aus der Praxis:
Trendfolgesysteme sind dafür bekannt, dass weniger als 50% Gewinnertrades sind. Auftretende Gewinnertrades sind zwar in der Regel wesentlich größer als die verlustbehafteten Trades (siehe auch Profitfaktor) - das soll uns aber an dieser Stelle nicht interessieren. Gehen wir nun davon aus, dass wir pro Trade beispielsweise 5% unseres Kapitals als Risikokapital setzen - was ersteinmal nicht viel zu sein scheint. Aus obiger Tabelle ergibt sich, daß wir einen nicht zu vernachlässigenden statistischen Nachteil bereits nach 6 Verlusttrades hintereinander erleiden würden (6 Trades x 5% Verlust ergibt einen Gesamtverlust von 30%). Um diese Verlustserie und den resultierenden Verlust von 30% auszugleichen müssten wir danach 42,9% Gewinne erzielen (12,9 % statistischer Nachteil). In obige Formel eingesetzt E = (1/0.45)^6 = 120 tritt dieser Fall bereits nach 120 Trades auf, was uns zu dem Umkehrschluss bringt, dass selbst 5% Risikokapital pro Trade viel zu hoch sind!

In der Tat verwenden langfristig erfolgreiche Trader eine Positionsgröße mit einem Risiko von lediglich 1%-2%.

Positionsgröße ist nicht gleich investiertes Kapital

Tradern denen die Methode der Positionsgrößenbestimmung neu ist verwechseln oft, die Positionsgröße mit dem investierten Kapital pro Trade. Haben Sie beispielsweise für sich festgestellt, dass Sie pro Trade nur 2% Risikokapital riskieren möchten - heißt das nun nicht, dass Sie lediglich 2% Ihres Gesamtkapitals für den Trade einbringen können. Es heißt lediglich, daß Sie nur 2% des Gesamtkapitals verlieren dürfen. Beträgt Ihr Gesamtkapital beispielsweise 20.000 €, dürfen Sie pro Trade nicht mehr als 400 € verlieren - könnten aber rein theoretisch für z.B. 4.000 € Aktien kaufen. Die Position könnte also um 10% an Wert verlieren, bevor Ihre 2% Gesamt-Risikokapital-Regel greift.

Nun ist es aber sinnvoll die Stop-Loss Grenze nicht einfach mit einem bestimmten Wert (wie in unserem Beispiel mit 10%) festzulegen, sondern sich an markanten Punkten im Chart zu orientieren bzw. sich technischer Indikatoren zu bedienen. Mit den technischen Indikatoren lassen sich typische Schwankungsbreiten bestimmen (z.B. mit der Bollinger Volatilität, dem Average True Range oder etwa den Pivot-Punkten). Bewegen sich die Kurse unterhalb dieser Schwankungsbreiten ist der Risikowert (man spricht in diesem Zusammenhang von 1R) erreicht, den man bereit ist einzugehen und stellt seine Position glatt. Anhand der technischen Stop-Loss Grenzen kann man dann einfach die Aktien-Anzahl und das Invest (Positionsgröße) berechnen.

Methoden der Positionsgrößenbestimmung

Dagobert-Dachs stellt momentan 7 verschiedene Methoden zur Positionsgrößenberechnung zur Verfügung Die Positionsgrößenberechnung wird anhand markanter Tradingpunkte ermittelt. Sie müssen lediglich wenige Werte (das Gesamtkapital, Risiko-Einsatz in % pro Trade eingeben und die Methode zur Positionsgrößenbestimmung auswählen) von Ihnen eingegeben werden. Anhand dieser Daten ermittelt das Programm dann die Positionsgröße und die Stückzahl der zu kaufenden Aktie. Da man nur Trades mit einem Vielfachen von R als Kursziel eingehen sollte - sind die sich daraus ergebenen Kursziele ebenfalls mit angegeben. Folgendes Bild veranschaulicht die Implementierung im Programm.

 

Positionsgrößenbestimmung

 

Zusammenfassung Positionsgrößenbestimmung:

  1. Jedes noch so gute reale Handelssystem wird eine Durststrecke von mehreren Verlusttrades hintereinander aufweisen.
  2. Diese Verlust-Phasen gilt es möglichst ohne großen Schaden (kleinem statistischen Nachteil) zu überstehen.
  3. Aus diesem Grund muß das Risiko pro Trade begrenzt werden (damit sich Verluste nicht zu stark anhäufen).
  4. Positionsgrößenbestimmung hilft Ihnen Ihr Risiko zu berechnen und konsequent zu begrenzen.
  5. Positionsgrößenbestimmung sichert Ihnen somit das Überleben in diesen schlechten Phasen.
  6. Ihr maximales Einzeltrade-Risiko sollte nicht größer als 2% sein.
  7. Stop-Loss Punkte sollten sinnvoll und nicht zu eng am Kurs gewählt werden
  8. Stop-Loss Punkte sollten statistisch begründet sein (abhängig von der Kurs-Schwankungsbreite).
  9. Gehen Sie nur Trades ein die eine reale Chance haben ein Vielfaches Ihres Risikos zu erzielen.

 

 

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